Was brauchen Interaction Designer und Designerinnen zum interdisziplinären Denken und Handeln? Analyse und Gedanken am Beispiel des Studiengangs Interfacedesign der Fachhochschule Potsdam.

Exerpt Kompetenzen Recherche & Analyse Blick auf die FH Potsdam Konkrete Anwendung Resümee
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Exerpt

« Die Befähigung Probleme und Situationen aus wechselnden Perspektiven zu betrachten. »

Designer übernehmen mehr und komplexere Aufgaben. Sind wir dafür bereit?

Interaction Designer und Designerinnen behaupten, eine Schnittstellenfunktion in inter- und transdisziplinären Projekten einnehmen zu können, da sie sich schnell in andere Gebiete einarbeiten. Situationen und Probleme werden dabei aus anderen Perspektiven betrachtet um neue Lösungsansätze zu generieren. Ist das wirklich so? Sind Designerinnen und Designer dazu optimal ausgebildet?

Durch die Einordnung der Kompetenzen, die eine Schnittstellenfunktion ausmachen, möchten wir klären, welche überfachlichen Kompetenzen heutzutage zum Tragen kommen. Dazu werden wir das aktuelle Lehrprogramm des Bereiches Interfacedesign der Fachhochschule Potsdam untersuchen und ein konkretes Anwendungsbeispiel gestalten.

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Kompetenzen

« Kompetenzen lernt man im Handeln und man zeigt sie im Handeln. »

Ausgewogenheit:
Bereit für neue Aufgaben.

Neue Aufgaben erwarten Designer und Designerinnen nach ihrem Abschluss, dies sollte sich auch im Studium widerspiegeln. Ein Gleichgewicht zwischen fachlicher Expertise und der Fähigkeit sie auch außerhalb des Fachbereiches anzuwenden.

Fachliche Kompetenzen

« Fähigkeiten und Fertigkeiten um berufs- und fachspezifische Probleme selbständig zu lösen. 01 »

Überfachliche Kompetenzen

« Die Fähigkeit Fachwissen, über die Grenzen der eigenen Bereiches hinaus, anzuwenden. »

01 /Freie Interpretation nach Weinert 2001, S. 27 f.
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Recherche & Analyse

« Designer als Schweizer Taschenmesser »

Überfachlich:
Was bedeutet das für Designer?

Visionen von Fähigkeiten und Kompetenzdefinitionen aus verschiedenen Quellen, haben wir auf unsere Vorstellung von Interaction Designern und Designerinnen angewandt. Die interaktive Grafik zeigt das Ergebnis der Aufschlüsselung und Interpretationen. Kompetenzen die wir als besonders wichtig erachten und die in die engere Auswahl für das Beispiel am Studiengang kamen, wurden blau markiert.

Überfachliche Kompetenzen

Selbstkompetenzen

Sozialkompetenzen

Methodenkompetenz

Anwendung von Körper. Sprache, Symbolen und Text
  • Wissenschaftliches Schreiben
  • Präsentieren und Referieren
Analyse und Synthesefähigkeit
  • Kritisches Denken
  • "Einschätzung von Technologien (funktional, ästhetisch, kommerziell und kritisch)"
  • Umgang mit widersprüchlichen Informationen
  • Praxistransfer
  • Reflektionsfähigkeit (fachlich)
  • Komplexes Problemlösen
  • Abstraktionsfähigeit
  • Fähigkeit zur Reduktion, und Vereinfachung
  • Audiovisuelles Verständnis
  • „(komplexe) Datensätze und Modelle verstehen und verarbeiten"
Lern- und Arbeitsstrategien
  • "(komplexe) Datensätze und Modelle verstehen und verarbeiten"
  • Lern- und Denkstrategien
  • Projektmanagement
  • Lösungsorientiertes Denken
  • Kreatives (i.S.v. Schaffendes) Denken
  • Bereitschaft zu lebenslangem Lernen
  • Autonomes Lernen
  • Neugierde
  • "Einflüsse der Umgebung auf das Arbeiten/Lernen kennen" (Design Mindset)
  • Umgang mit Kognitiver Beanspruchung
  • "Filterung und Fokussierung (Kategorisierung, Priorisierung)"
  • Intelligente Nutzung von Werkzeugen
  • Probleme erkennen, beschreiben und lösen können
  • Produktivität
  • Qualitätsmanagement
  • Methoden Bewertung
Nutzung von Wissen und Informationen
  • Medienkompetenz (Wissen, Kritik, Nutzung, Gestaltung) – ICT
  • Informationskompetenz (cognitive Loadmangament)
  • Entscheidungsfindung
  • Entscheidungsbegründung
  • "Erlerntes Wissen in praktischen Situationen anwenden können"
Kooperationsfähigkeit
  • Entwicklung von Vertrauensverhältnissen
  • (virtuelle) Teamarbeit
  • Gruppenentwicklung
  • Rollenflexibilität
  • Offenheit
  • Fachfremden Fachwissen erklären können
  • "relevante Experten identifizieren, mit ihnen in Kontakt treten und bleiben"
Kommunikationsfähigkeit
  • Emotionale Kompetenz (Tonalität, Mimik und Gestiken)
  • Führungskompetenz
  • Linguistische Kompetenz
  • Kommunikationstechnik
  • Empathie
  • Charisma (Audienzen motivieren und begeistern)
  • Reflexionsfähigkeit
  • Debattieren und Argumentieren
Konfliktfähigkeit
  • Konfliktmanagement
Selbstmanagement
  • Stressmanagement
  • Lernmotivation
  • Prüfungsvorbereitung
  • Zeitmanagement
Ethisches Bewusstsein
  • Gendersensibilität
  • Werte & Normen
  • Soziales und ökologisches Verwantwortungsbewusstsein
  • Interesse und Sensibilität für andere Kulturen
Identität
  • Reflektionsfähigkeit (emotional)
  • (digitale) Selbstdarstellung
  • Selbstkonzept
  • Selbstkritikfähigkeit
  • Anpassungsfähigkeit
  • Umgebungsunabhängigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein

*Chancen ausgesucht durch das Team der Studierenden.

Quellen:
  • « Programme Specification » Interaction Design, 2013, Royal Collage of Art
  • « Überfachliche Kompetenzen », 2011, Universität Zürich
  • « Future Skills 2020 », 2011, Anna Davies, Devin Fidler, Marina Gorbis - Institute for the Future for the University of Phoenix Research Institute
  • « HSGYM / SLK – Überfachliche Kompetenzen », 2009, Zürcher Schulleiterkonferenz
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Blick auf die FH Potsdam

« Hier könnten wir noch mehr
rausholen. »

Interfacedesign:
Wo sehen Studierende Chancen?

Um zu erfahren wie Studierende aktuelle Anforderungen, mit denen Sie konfrontiert werden, wahrnehmen, wurden qualitative Intensiv-Interviews mit Studierenden des Bereiches Interfacedesign geführt. Die Interviews erlaubtem dem Team mit den Befragten tiefer in die Materie einzusteigen und Einschätzungen abzugleichen. Dabei wurden Studierende aus dem Grundstudium, Hauptstudium (Bachelor) und dem Masterstudium befragt.

Die Ergebnisse der Interviews flossen in die Auswahl der Fähigkeiten (siehe Markierungen der Interaktiven Grafik aus Punkt 3) mit ein. Diese spiegeln die für die befragten wichtigen Kompetenzen wieder.

Ausgewählte Kompetenzen zur Anwendung

Ausdruckskompetenz

DesignerInnen sollen in der Lage sein, Probleme und Lösungsansätze konkret verbal und schriftlich zu formulieren.

Informationskompetenz

DesignerInnen sollen in der Lage sein, durch verschiedene Medien qualitative 
und quantitative Informationen zu recherchieren. Diese kritisch zu bewerten und zu strukturieren.

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Konkrete Anwendung

« Kompetenzen lernt man im Handeln und man zeigt sie im Handeln. »

Vorhandene Strukturen nutzen und weiter ausbauen!

Um die ausgewählten Beispiele der Ausdrucks- und der Informationskompetenz anzuwenden, entschied sich das Team für eine Integration innerhalb eines Grundstudium- Kurses. Keine komplett neue Struktur, sondern eine aktive Verflechtung mit einem erweiterten Einsatz der Überfachlichen Kompetenzen. Aus dem Team heraus wurde bewusst ein Kurs aus dem Grundstudium gewählt, da die aktive Förderung so früh wie möglich im Studium ansetzen sollte.

Lernziele

Ausbildungebene Lernziele Stufe
Lehrveranstaltung
« Interaction Design Basics » Die Studierenden sind fähig, gestalterische Probleme in den Bereichen Screendesign, grafische User-Interfaces, Visualisierung und Semiotik zu bearbeiten und einer Lösung zuzuführen. *, ** Probleme bearbeiten
Lektion
« Geschichte des Interaction Designs » Die studierenden sind in der Lage, die allgemeine geschichtliche Entwicklung des Feldes Interaction Design zu verstehen und heutige Entwicklungen einzuordnen. * Wissen und Anwenden
Aufgabe
« Recherche einer Person im Prozess der Entwicklung des Interaction Designs. » Die Studierenden sind in der Lage die geschichtliche Entwicklung von Computern und Eingabe Medien nachzuvollziehen. * Wiedergeben
* Fachlich ** Überfachlich

« Lernziele formulieren in bachelor- und Masterstudiengängen » PDF S. 6, 8 10

Ablauf der Lektion

Vorlesung

Grundlegende Einführung in die Geschichte des Interaction Designs.

  • Einführung - 
Überblick der geschichtlichen Entwicklung des Interfacedesigns
  • Aufgabenstellung - Auswahl und Eintrag bis zum nächsten Tag im Workspace
  • Rahmenbedingungen 
Mini-Präsentation 5 min und ausführliches Handout
Recherche & Aufbereitung

Recherche einer Person im Prozess der Entwicklung des Interaction Designs.

  • Studierenden recherchieren Informationen zu einer Person und fassen diese als Mini-Präsentation sowie Handout zusammen. Quellen - Z.B. das Buch „Designing Interactions“ und weitere Quellen
  • Inhaltsstruktur
Beitrag zur Entwicklung + Problemlösungsansatz
Präsentation & Überleitung

Präsentation - 
Studierenden präsentieren Ihre Ergebnisse (Feedback vom Dozenten).

  • Studierenden präsentieren Ihre Ergebnisse (Feedback vom Dozenten)
  • »Wie sieht lesen heute aus?« (Device, Screen etc.) 
Zusammentragung und Ergänzung durch Dozenten.
  • Teambildung (2 Leute)

Aufgabenstellung

Recherchieren Sie bitte zu einer Person Ihrer Wahl deren Arbeiten und Einflüsse auf die Geschichte des Interaction Designs. Bereiten Sie die gefundenen Informationen auf. Im Rahmen einer Kurspräsentation stellen Sie bitte die wesentlichen Inhalte dem Kurs vor. Ergänzend laden Sie bitte die Präsentation und ein Handout in digitaler Form in den Workspace. Bitte schreiben Sie ihre Personenwahl als Kommentar in den Workspace.

Metainformationen
  • Präsentationsdauer: 5min (max)
  • Umfang des Handouts max. 1 DIN A4 Seite. (Ausformuliert)
  • Abgabe der Unterlagen (PDF): Der Morgen vor dem Kurstermin
  • Vortrag der Ergebnisse: nächster Kurstermin
Beispielquellen
  • « Designing Interactions » — von Bill Moggridge
  • « Der Computer — Eine Illustrierte Geschichte » von Christian Wurster
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Resümee

« Das Design der Zukunft ist mit der Frage konfrontiert, wie wir Komplexität aushalten und gestalten können. »

Interaktion mit vielen Variablen

Nach Abschluss des Projektes hat sich unser Verständnis von „Lehre“ deutlich geändert. Komplex - von Definitionen von Lernzielen, über neue Inhalte und die Verflechtung auf allen Ebenen. Durch die enge Zusammenarbeit mit den betreuenden Professoren Dr. Heidmann und Constanze Langer erhielten wir Einblicke und konnten Zusammenhänge wesentlich klarer erfassen.

Unser Verständnis von den Aufgaben und Möglichkeiten, die uns als Studierende nach dem (Interaction)- Designstudium erwartet, ist nun wesentlich weiter gefasst. Doch die (Design)Welt ist lebendig und verändert sich schnell. Daher sehen wir die Notwendigkeit, mit neuen Modellen zum flexibleren Reagieren und Agieren als Teil der Agenda, den Studiengang - der (Design)Welt folgend – aktuell und lebendig zu halten.